Australien 2009 - “Der 8.”
erwin
I did it !
Ja, ich tat es und ich bin mächtig stolz darauf ! Im “Warren NP”, der unser erstes Ziel nach unserer Abreise aus Walepol war, bestieg ich den höchsten der drei besteigbaren “Fire Trees” in diesem riesigen Waldgebiet. Die “Fire Trees”, schlanke rund 80 bis 90 m hohe “Karri” Bäume, einer Eukalyptusart, wurden zwischen 1947 und 1952 als Leitstände für die Waldbrandbekämpfung eingerichtet. Die Holzwirtschaft hat in dieser Region große Bedeutung, sodaß die Bekämpfung von Waldbränden eine existentielle Aufgabe war. Das Problem in dieser Gegend ist nur, dass es keine hohen Hügel gibt, von denen man aus die Feuerwehr gezielt hätte einsetzen können. Aus diesem Grund wurde in Bäumen, die die anderen überragten, insgesamt sind es 12, etwa 80 cm lange Stahlnägel spiralförmig als Stufen eingeschlagen, so konnte man ganz oben in den Baumkronen Plattformen errichten, die im Bedarfsfall als Leistelle dienten. Seit Ende der 1970-er Jahre werden Flugzeuge dafür eingesetzt, wenn jedoch starker Wind deren Einsatz verhindert, werden sie auch heute noch dazu verwendet.
“Mein” Baum, der “Bicentenniel Tree”, wurde im Jahre 1988 anläßlich des 200 Jahrjubiläums von Australien (daher auch der Name) mit einer neuen Plattform in 25 m Höhe ausgestattet und die Originalplattformen in 65, 71 und 75 m Höhe erneuert. Der Aufstieg ist ein Abenteuer, die rund 200 Stahlstangen und die etwa 40 Stufen der Eisenleitern zwischen den obersten Plattformen verlangen ganz schön Kraft. Der Blick in die Tiefe, aber auch der über die Kronen der anderen Bäume weit ins Land war eindrucksvoll. Ganz oben angekommen konnte ich mir, obwohl ich ganz außer Atem war, einen “Jodler” (es war mehr ein Krächzen) nicht verkneifen. Im übrigen hatte ich Glück, zum einen waren fast keine Touristen da und zum anderen war das Wetter OK, kein Regen und kein Wind, bei Wind schwanken nämlich die obersten Plattformen bis zu einen Meter ! Außerdem ist es ein Wunder, dass in dem sonst so sicherheitsbewußten Australien die Besteigung ganz ohne Gurt und Sicherheitsnetz noch möglich ist. Es war einfach ein tolles, einmaliges Erlegnis !
Wie bereits erwähnt hat die Holzwirtschaft in diesem Gebiet enorme Bedeutung, es wachsen hier auch gewaltige Bäume, Tingle-, Karri- und Marribäume sind die wertvollsten der rund 700 (!) Eukalyptusarten die es in Australien gibt. Alle sind wahre Giganten, die Stämme schlank und erst ab etwa 40 m Höhe fangen die Äste an.
Nach meiner sportlichen Leistung kauften wir uns erst im nahe gelegenen Pemperton (dieser Ort heißt wirklich so) in einem schönen alten Kaffehaus einen Imbiss. In Peperton fängt auch der Weinbau an. Es ist kurios, wenn auf Lichtungen zwischen den dunklen Wäldern auf einmal Weinstöcke in Reih und Glied stehen und auf den dahinter liegenden Wiesen Rinder grasen. Die Farmer hier haben so drei wirtschaftliche Standbeine. Den Wein dort haben wir allerdings nicht verkostet, wir hatten keine Gelegenheit dazu !
Gegen 15.00 Uhr sind wir dann in Augusta angekommen, Augusta liegt noch am Südlichen Ozean, aber nur 8 km davon entfernt ist der südwestlichste Punkt Australiens, nämlich das Cape Leeuwin mit seinem sehr schönen schneeweissen, 1895 erbauten Leuchtturm. Dort treffen sich der Südliche und der Indische Ozean, ein sehr beeindruckender Fleck dieser Erde.
Von Augusta, der Ort ist eine beliebte Feriensiedlung, sind wir dann am nächsten Tag nach Margaret River gefahren. Der Küstenstreifen wird von der rund 200 m hohen “Leeuwin-Naturaliste Range” geprägt. In diesem Kalksteinhöhenrücken werden rund 350 Höhlen vermutet, einige davon sind begehbar. Wir wählten uns die “Lake Cave”, mit ihren schönen zarten Stalagtiten und Stalagmiten aus, welche sich in einem kleinen unterirdischen See spiegeln. Alleine schon der Zugang in die rund 80 m tiefe Höhle war sehr erlebnisreich.
Margaret River ist zweifellos eine der schönsten Gegenden Westaustraliens. Der Ort hat “Chackter”, die Stadtväter und Mütter legen Wert auf Nachhaltigkeit, es gibt keine großen Hotels obwohl die Strände und vor allem der Weinbau dies “vertragen” würde. Erst seit 1967 wird in Margaret River Wein erzeugt, mittlerweile von insgesamt 160 Betrieben unterschiedlicher Grösse. Wie kann es ander sein, für Mittwoch buchten wir eine “Weintour”. Pünktlich um 9.50 Uhr wurden wir abgeholt, schon um 10.00 Uhr war die Verkostung im ersten Betrieb angesetzt, gleich 10 Sorten standen am Programm. Aber keine Angst, die Weine werden “Tropfenweise” eingeschenkt, man bekommt aber trotzdem einen sehr guten Eindruck über deren Qualität. Ingesamt standen der Besuch von sechs Weinbaubetrieben, einer Schokolade- und einer Käsemanufaktur am Programm. Am Vormittag waren wir bei den Elitebetrieben, für uns einfach unvorstellbar was da für ein Aufwand betrieben wird. Zu Mittag waren wir im “Überdrüberweingut”, dem “Voyager Estate” ! Alleine schon die Zufahrt zu diesem rund 150 ha großen Betrieb ist eine Wucht, links und rechts die Weinstöcke, die Grünanlagen getrimmt wie ein Golfplatz, die weissen Gebäude gepflegt und der wie mit der “Nagelschere” geschnittene Vorgarten könnte vor dem Schloß Schönbrunn stehen. In der Eingangshalle, in der die Verkostung der sehr guten Weine stattfand, werden auch Designerkleidung und Schmuck verkauft. Das Mittagessen im Restaurant war vorzüglich, kein Wunder, es ist eines der besten Westaustraliens.
Der Nachmittag war deutlich Bodenständiger, das Weingut “Pierro” war viel kleiner als die anderen, aber es war das erste in dem in Margarete River Wein produziert wurde. Übrigens von hervorragender Qualität, sogar die ehemalige Aussenministerin der USA, Condi Rice, war dort schon zu Gast. Bei “Moss Brothers” wird auf organischer Basis ebenfalls ein Spitzenwein erzeugt, dort hatte ich den Eindruck noch einen Winzer vor mir zu haben. Der Besuch in der Schokolade- und Käsefabrik war sozusagen die Draufgabe.
Das einzige was uns den Besuch in Margaret River im wahrsten Sinne des Wortes trübte war das Wetter. Es regnete zwischendurch immer wieder, ein strammer Wind aus Süden blies ständig uns es war dort für unsere Begriffe mit zwischen 13 und 18 Grad einfach “Saukalt” !
So beschlossen wir am Donnerstag nicht mehr nach Bunburry sondern gleich bis Freemantle zu fahren. Die rund 270 km waren schnell zurückgelegt. Die Gegend ist dort sehr unterschiedlich, Waldstücke wechseln sich mit Weingärten, Getreide- und Gemüsefeldern sowie Baumplantagen ab. Ab Bunburry ist der Küstenstreifen gänzlich mit Häusern zugebaut, die Reichen aus Perth haben dort ihre Wochenendhäuser. Ab Mandurah sind Fabriken aller Art und Größe zu sehen, der Verkehr wurde immer dichter, kein Wunder, die Millionenstadt Perth kommt immer näher.
In Freemantle angekommen fuhren wir zuerst zum Campingplatz und dann gleich in die Stadt, Ingrid wollte zum Friseur und auch ich brauchte seine Dienste. Wie es halt so ist, Frauen brauchen dazu länger so konnte ich mr die bereits 1829 gegründet Stadt mit den schön restaurierten Häusern anschauen. Am Campingplatz zurückgekommen machten wir uns an das Packen unserer “Siebensachen”, welche mittlerweile mehr geworden sind.Im Übrigen blies dort auch noch ein Südwind, aber es regnete nicht und es war viel wärmer.
Gestern sind wir nach der Reinigung unseres Autos um 10.00 Uhr losgefahren, schon nach einer gut halbstündigen problemlosen Fahrt durch den dichten Großstadtverkehr hatten wir die BRITZ Niederlassung in der Nähe des Flughafens, der nur 12 km vom Stadtzentrum entfernt ist, erreicht. Ich hatte schon am Vortag alle Mängel die mir aufgefallen sind, es waren im wesentlich nur Kleinere, auf einen Zettel aufgeschrieben. Durch meine Seglerei hatte ich gelernt, dass dies für den Vermieter sehr hilfreich ist, und tatsächlich, die junge Angestellte die uns bediente war ganz erstaunt und erfreut über diesen Zettel, es war das erste Mal, dass ein Mieter dies tat. Die Rückgabe war dann auch überhaupt kein Problem mehr.
Mit einem Taxi fuhren wir dann das kurze Stück in unser Hotel im Stadtzentrum von Perth. Unmittelbar nach dem Zimmerbezug machten wir uns gleich zu einer ersten Erkundung auf. Es ist wirklich eine sehr lebendige Stadt, die sehr schön am Swan River liegt. Die Stadt wächst jährlich um rund 30.000 Einwohner, derzeit zählt sie etwa 1,5 Millionen Einwohner, in ganz Westaustralien leben etwa 1,9 Millionen !
Heute sind wir mit einem oben offenen Doppeldeckerbus kreuz und quer durch die Stadt gefahren und so ein Gefühl für die Größe und Entfernungen bekommen. Auch hier weihnachtet es überall, es ist kurios die geschmückten Weihnachtsbäume und Geschäfte zu sehen und alle Leute laufen in Sommerkleidung herum. Heute haben wir auch eine Hochzeit im Freien vor der Kulisse von Perth gesehen, alle im feinsten Tuch, die Braut im Kleid ohne Ärmel und das am 21. November ! In den nächsten Tagen werden wir uns Perth näher zu Gemüte führen, für Montag haben wir einen Ausflug auf Rottnest Island, einer vorgelagerten Insel vor.
So, das wäre mein Bericht der letzten vergangenen Tage. Schuldig bin ich noch unsere zurückgelegte Strecke, es waren insgesamt 9.493 km. 2.824 km mit dem Geländewagen, 6.669 mit dem 4-Bett Motorhome. 883 km in den Northern Territory und 8.610 in Westaustralien. Dies sind für unsere europäischen Begriffe gewaltige Strecken, hier aber ist das die Normailtät an die man sich anpaßt. Wenn man hier was sehen will muß man diese Wege in Kauf nehmen, was aber auch kein Problem ist. Die ganze Strecke haben wir nicht einen Verkehrsunfall gesehen und auch selbst keine einzige “brenzliche” Situation erlebt. Kommenden Dienstag reisen wir von Perth ab und fliegen nach Singapur, wo wir bis Samstag bei Danninger Karin bleiben werden, am Sonntag kommen wir nach Hause. Neue FOTOS sind auch wieder zu sehen.
So, nun noch eine persönliche Anmerkung, am morgigen Sonntag feiert meine Mutter die Vollendung ihres 98-sten Lebensjahres. Es tut nicht nur mir sondern auch Ingrid leid, ihr diesmal nicht direkt gratulieren zu können, daher auf diesem Weg: Liebe Mutter, “Alles Gute” und bleib uns noch lange erhalten!!!! Übernächsten Sonntag werden wir dich ganz fest “drücken” können, wir freuen uns darauf !
Liebe Grüsse an all unsere Freunde und Bekannten, die unsere Reise mitverfolgen !
Erwin und Ingrid
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