Byron Bay,
endlich im Gelobten Land, in Gottes ureigensten Fleckchen Erde, im Reich der tausend Mythen !
So überschwänglich beginnt Lonely Planet mit der Beschreibung dieses Ortes an der Gold Coast und so wollte ich meinen Reisebericht am 28.4., als wir in Byron Bay den Campingplatz erreichten (mit WLAN !) beginnen. Doch wieder einmal funktionierte das WLAN nicht !
Also sind wieder einige Tage vergangen um dieses Vorhaben umzusetzen, heute, wir sind an einen weiteren begnadeten Ort dieses großartigen Kontinentes, nämlich im Hunter Valley, klappt es. Wir sind auf einem BIG4 Campingplatz, diese sind neben den TOP-Tourist CP ziemlich die besten hier, und da funktioniert dieses Kommunikationsmittel halt. Nun der Reihe nach:
Unser Tagesausflug auf Fraserisland war eine Wucht, wenngleich auch das Wetter nicht so ganz mitspielte, es regnete nämlich wieder einmal. Wir wurden pünktlich vom CP abgeholt, der Fahrer, der zugleich auch der Führer auf Fraserisland war, stellte sich als Österreicher heraus, der seit rund 40 Jahren in Australien lebt. Franz, so hieß er, war nicht nur ein ausgezeichneter Fahrer, sondern auch ein großartiger Führer, der seinen Beruf mit Liebe ausführt und der mit viel Wissen über die Flora und Fauna dieser großartigen Insel ausgestattet ist. Wie gesagt, Fraser Island ist die größte Sandinsel der Welt, 174 km lang, im Mittel 15 km breit, der Sand reicht rund 600 m bis zum Meeresgrund, die höchste Erhebung ist ca. 280 m über dem Meeresspiegel. Sie hat die unterschiedlichsten Pflanzen und Tiere, viele davon sind endemisch, kommen also nur hier vor. Unter anderem ist auf dieser Insel der einzige Regenwald der Welt auf Sand vorhanden.
Unsere Reisegruppe bestand nur aus 16 Personen, die in dem 4WD-Bus ordentlich durcheinandergeschüttelt wurden. Auf der Insel gibt es keinen Meter befestigter Straße sondern nur Sandwege. Ein Höhepunkt besonderer Art ist es für viele Australier mit ihren 4WD’s auf dem kilometerlangen Strand mit über 80 km/h dahinzudonnern, dadruch gibt es aber auch die meister Unfälle auf dieser Insel.. Auf dem Strand ist auch ein Landeplatz für kleine Flugzeuge vorhanden. Franz machte uns darauf aufmerksam, dass “ein Freund von ihm” einen 15-minütigen Flug um nur A$ 70,00 anbietet. Na, was glaubt ihr wer in diesem Flieger sass, Erwin natürlich und mit ihm ein Tiroler ! Alle anderen hatten wegen des herrschenden starken Windes den “Schwanz” eingezogen. Wir hatten Glück, gerade als wir in der Luft waren, hatte es aufgeklart und die Sonne schien, als wir landeten regnete es wieder in Strömen !
Der Flug über die Insel war ein Erlebnis, den endlos langen weissen Strand gegen den die Wellen nur so heranrollten, den dichten Regenwald und die riesigen Sanddünen von oben zu sehen, war ein Eindruck besonderer Art. Ingrid hatte es sich inzwischen mit den anderen Teilnehmer der Gruppe bei Kaffee, Kuchen und Südfrüchten in der “Wilderness Lodge” gemütlich gemacht. Der Tag auf Fraserisland war jedenfalls einer, den wir nicht vermissen möchten.
Am nächtsen Tag verließen wir Hervey Bay um nach Nambour zu fahren, wo wir David McNamarra trafen, den wir vor 26 Jahren in Schieferegg kennen gelernt hatten. David lebt mit seiner Frau Alison und den beiden Kindern Liam (15) und Sophie (13) ganz in der Nähe des noblen Ferienortes Noosa Heads an der Sunshine Coast. Wir freuten uns über das Wiedersehen sehr, wenngleich dabei nicht die gleiche Herzlichkeit wie bei jenem mit Lyn Garside spürbar war. David und seine Frau sind im örtlichen Krankenhaus als Sozialarbeiter tätig, er betreut Drogenabhängige, sie Alkoholkranke. Sie haben ein schönes Haus auf einem Höhenrücken, etwa 300 m ü.d.M., mit einem grandiosen Ausblick bis zum Ozean. Am Sonntag zeigten uns David und Alison den Hauptort der Sunshine Coast, von der Sonne war leider keine Spur zu sehen, es regnete in Strömen. Trotzdem bekamen wir etwas vom Flair Noosa Heads zu spüren, dass sich selber als das Nizza Australiens bezeichnet. Die Hauptstraße ist übersäht mit sauteuren Läden, Restaurant und Appartements. Der Strand blitzsauber, mit feinem Sand, auf dem sich die Reichen und Schönen aalen, natürlich nur bei Sonnenschein !
Am Montag haben wir uns von den McNamarra’s verabschiedet und sind nach Tewantin gefahren um dort zwei Tage zu verbringen. Tewantin ist ein ruhiger Ort, von dem man mit Fähren oder per Taxi die Sunshine Coast erkunden kann. Anschließend fuhren wir nach Maroochydore, wo wir direkt am Strand einen sehr schönen Campingplatz fanden. Die Strandspaziergänge und der Sonnenuntergang bzw. deren Aufgang am nächsten Morgen waren dort ein sehr schönes Erlebnis.
David hatte uns auf einen Nationalpark in der Nähe aufmerksam gemacht und zwar auf den “Glass House Mountain NP”. Dieser Nationalpark ist etwas ganz Besonderes, aus einer nahezu kreisrunden, etwa 50 km im Durchmesser zählenden Ebene ragen zwölf, zwischen 150 m und 550 m hohe Berge empor, die im Glauben der Aboriginal eine Familie darstellen. In Wirklichkeit ist es Basalt, der in den Schloten eines Vulkans, welcher vor ca. 250 Millionen Jahren aktiv war, erkaltete und im Gegensatz zum sie einst umgebenden weicheren Gestein, das verwittert ist, stehen blieben. Es ist eine mystische Platz, der eine unglaubliche Ausstrahlung hat. Die Gegend ist darüber hinaus sehr fruchtbar, 30 % der australischen Annanas werden dort geerntete, aber auch Mango-, Bananen- und Avocadoplantagen haben wir gesehen.
Am späten Nachmittag sind wir von dort los gefahren um in Brisbane die Töchter von Lyn und Bruce (ihr wisst schon, die Farmer in Capella) Lyn und Aimee mit deren Freunden Daniel und Tom zu treffen. Als wir am Campingplatz ankamen riefen wir Carley an, die auch binnen kürzester Zeit mit Daniel bei uns war. Wir gingen gemeinsam Abendessen und vereinbarten ein Treffen am nächsten Tag. Sie holten uns frühmorgens ab und zeigten uns Brisbane. Brisbane ist die Hauptstadt Queenslands, hat rund 1,8 Millionen Einwohner und ist, im Gegensatz zu Sydney oder Melbourne eine völlig “relaxte” Stadt, von Hektik ist hier nichts zu spüren. Durch die Stadt windet sich der Brisbane River, der auch eine Hauptverkehrsstraße darstellt. Auf Fährschiffen, die wie Linienbusse verkehren, wird ein Großteil des täglichen Berufsverkehrs staufrei und schnell abgewickelt.
Zuerst fuhren wir auf den Aussichtsberg von Brisbane, dann mit einer Fähre auf dem Brisbane River bis zur Endstation und wieder zurück. Die Stadt vom Wasser aus zu sehen ist ein Erlebnis ! Am Abend besuchten wir ein Rugbyspiel, Carley und Daniel hatten uns Karten hiefür besorgt. Rugby ist DIE australische Sportart. 13 durchtrainierte Athleten jeder Mannschaft versuchen mit allen Mitteln den ovalen Ball hinter die Linie des gegnerischen Spielfeldes zu bringen. Daniel erklärte uns die Spielregeln, er brauchte nicht lange dazu, es gibt nämlich fast keine, denn es ist praktisch alles erlaubt. Nur Schläge, Tritte und Angriffe oberhalb der Schulter sind untersagt. Die Spieler sind nur mit Trikots, knappen Hosen, Stutzen und Stoppelschuhen bekleidet, kein Polster oder Helm schützt vor Verletzungen. Das Spiel dauert 2 mal 40 Minuten und ist ungemein schnell ! Übrigens, die heimischen “Broncos” siegten über die “Rabbitos” aus Sydney.
Am Samstag besuchten wir den Ort wo Ingrids Lieblingsgetränk herstellt wird, nämlich die Bierbrauerei XXXX. Das ist kein Schreibfehler, die Biermarke heißt “Four X”, daher schreibt man überall nur 4 x das X und jeder weiß, was gemeint ist. Am Nachmittag machten wir einen Spaziergang durch die Innenstadt und fuhren dann am Abend auf unserem Campingplatz, wir hatten die vier jungen Leute zu einem BBQ (Grillabend) eingeladen. Es war sehr gemütlich und für uns erfrischend mit den jungen Leuten den Abend zu verbringen. Auch sie hatten offensichtlich Spaß mit uns, sonst wären sie nicht bis zur Sperrstunde 22.00 Uhr (Beginn der Nachtruhe) geblieben.
Am Sonntag holten uns Carley und Daniel zu einem weiteren Höhepunkt unserer Reise ab, nämlich zu einem Spiel des “Australien Football”, eine ganz andere Art des uns bekannten europäischen Fußballes und auch mit dem australischem “Rugby” nicht zu vergleichen. Bei dieser Sportart versuchen 16 Spieler (das Spielfeld ist oval, 150 m lang und hat an der breitesten Stelle 100 m) jeder Mannschaft mit dem Fuß den ebenfalls ovalen Ball durch zwei hohe Torstangen zu schießen. Auch hier ist praktisch alles erlaubt, auch hier haben die Spieler kaum etwas an und auch hier ist das Spiel extrem schnell. Ich wette, daß ein europischer Fußballspieler bei diesem Tempo nach 10 Minuten vom Platz getragen werden müsste. Die baumlangen, durchtrainierten Spieler hier stecken die Anstrengungen aber mit “Links” weg.
Man sagt, dass viele der Frauen nur wegen der “knackigen” Körper der Spieler ihre Männer zu den Spielen begleiten, tatsächlich ist der Frauenanteil hier wesentlich höher als auf unseren heimischen Fußballplätzen ! Auch bei diesem Spiel haben die “Lions” gegen die “Devils” aus Melbourne haushoch gewonnen. Die Stimmung im Stadion war dementsprechend.
Am Montag verließen wir Brisbane und fuhren nach Byron Bay, den Ort, den ich Anfangs schon erwähnt hatte. Byron Bay ist wirklich ein Ort wo man sich wohlfühlt. Hier gibt es im Gegensatz zu Surfers Paradise, DEM Ferienort der Australier, keine Hochhäuser, keinen McDonalds oder sonstige Fast Food Ketten, all dies haben die Bewohner erfolgreich verhindert.
Byron Bay war bis 1960 ein verschlafenes Fischernest, das die Hippies damals für sich entdeckten. Später kamen immer mehr Touristen, die den Großteil der Aussteiger “vertrieben”, deren Ansturm konnte aber dem Flair des Ortes nichts anhaben. Kilometerlange Sandstrände laden zum Baden ein, sehr gute Restaurants, Pubs und Geschäfte versorgen die vielen Gäste, es herrscht hier keine Hektik, alles läuft “easy” ab.
Wir bekamen auf dem Campingplatz, der direkt neben dem Strand liegt, einen sehr schönen Platz zu gewiesen und genossen die Zeit dort bis Mittwoch sehr. Das Wetter war seit unserer Abreise in Tewantin sehr schön, wenngleich es in der Nacht schon sehr kühl wird. Auf Cap Byron steht ein wunscherschöner, 1901 errichteter Leuchtturm, dort ist auch der östlichste Punkt de Australischen Kontingentes, es war dies damit auch der östlichste Punkt unserer Reise.
Schon in Brisbane hatten wir beschlossen unsere Rückreise nach Sydney nicht mehr entlang der Küste fortzusetzen, sondern ab Byron Bay wieder in das Landesinnere zu fahren. Wir wollten in Tenterfield den Bald Rock NP besuchen. Die Fahrt dorthin war wieder ein Erlebnis besonderer Art. Zuerst überquerten wir erneut die Kontinentale Wasserscheide. Vorher, im Osten, sahen wir Zuckerrohrfelder, Bananen- und Mangoplantagen und dann, Richtung Westen war auf einmal wieder Weideland mit Rinder- und Schafherden darauf, zu sehen. Die Bergkette “Great Dividing Range” (heißt “Große Trennende Bergkette” (= Wasserscheide) ist in dieser Region ein relativ karges Granithochplatateau, in der sich vor rund 160 Jahren vor allem Schotten angesiedelt haben, die die Schafzucht mitbrachten. Es gibt hier Schafherden, deren Stückzahl in die Tausende geht.
Am Donnerstag machten wir unsere “1.Mai-Wanderung” auf den Bald Rock. Der Bald Rock ist der größte Granitmonolit Australiens, dessen Ausmasse mit denen des weitaus bekannteren Uluru (Ayers Rock) durchaus zu vergleichen sind. Es ist ein riesiger halbrunder Klotz, der rund 250 m über das Umland hinausragt. Für seine Umrundung muss man 14 km zu Fuß zurücklegen. Wir bestiegen ihn, und zwar hinauf auf einem sehr steilen Steig und hinab auf den zwar weiteren, aber flacheren Weg. Am Nachmittag fuhren wir dann über Glenn Innes bis in die Universitätsstadt Armindale, wo wir die Nacht verbrachten.
In Glenn Innes konnten wir die Endvorbeirtungen des alljährlich stattfinden “Celtic Festivals” erleben, zu dem viele Besucher, darunter Dutzende Dudelsackpfeifer, aus aller Welt kommen. Armindale ist eine sehr schöne gepflegte Stadt, die für ihre herbstliche Verfärbung bekannt ist. Wir können dies nur bestätigen, die vielen Bäume der Stadt strahlten in allen möglichen Farben. Die Einwohner hatten offensichtlich aus ihrer alten Heimat nicht nur Tiere, sondern auch Pflanzen mitgebracht, wir sahen in ganz Australien nirgendwo so viele verschiedene Arten von nichtheimischen Bäumen und Sträuchern wie hier.
Heute sind wir schon früh am Morgen losgestartet, wir wollten nicht zu spät in das Hunter Valley kommen, am Montag ist hi”Labourday, ein Feiertag, und wir befürchteten, dass wir wegen des verlängerten Wochenendes keinen freien Platz auf dem einzigen Campingplatz hier finden, unsere Befürchtung hat sich dann doch nicht bewahrheitet. Die Fahrt auf dem Hochplateau, das sich bis kurz vor Tamworth erstreckt, war sehr schön und abwechslungsreich. In Tamworth machten wir Halt und schauten uns die größte Guitarre (10 m hoch) der Welt an, diese Stadt bezeichnet sich als Hauptstadt der Country Music weil hier alljährlich ein Country Music Festival stattfindet bei dem der/die beste/r Sänger/in gekürt wird.
Dann ging es eine steile Straße von 1000 m auf 300 m hinab in das Uper Huntervalley, wo nicht nur Wein angebaut, sondern im großen Ausmaß Kohle abgebaut wird. Die Kohle wird in Tagebauweise gefördert, die ihre Spur in der Landschaft hinterlässt, keine sehr schöne Gegend, wir wollten daher auch nicht dort bleiben sondern in das älteste Weinbaugebiet Australiens, nämlich in das Lower Huntervalley fahren, wo wir nun auch gelandet sind.
Morgen machen wir eine geführte Tour in mehrere Weinkellerein mit, am Sonntag werden wir uns schön langsam über das Packen unserer “Siebensachen” machen, denn, nach dem Abstecher in die Blue Mountains vom kommenden Montag bis Mittwoch, endet unsere Rundreise.
Wie ihr seht, es geht uns sehr gut, wenngleich nun eine gewisse Wehmut einzieht, dass diese schöne, erlebnisreiche Zeit sich dem Ende zu neigt.
Ich werde mich von Sydney aus noch einal melden und dann Fotos ins Netz stellen, heute, es ist schon fast 22.30 Uhr, habe ich keine Lust mehr !
Also, bis Bald !!
Erwin und Ingrid